Weisser Gänsefuss

September 10: Weisser Gänsefuss (Chenopodium album)

erschienen im Main-Echo, © Morgane Bannöhr

Am besten als Melde bekannt ist das heutige Un-Kraut, noch geläufiger ist der nicht so nette umgangssprachliche Ausdruck „Schissmelle“. Das zeigt seine Unbeliebtheit im Garten an, wo es sich als schnell wachsender Kulturbegleiter sehr wuchsfreudig zeigt und dessen Samen über Jahrhunderte hinweg im Boden keimfähig bleiben können. Eine große ausgewachsene Pflanze kann über eine Million Samen produzieren. Lässt man sie wachsen, kann sie drei Meter groß werden, die Wurzeln reichen bis zu einem Meter in den Boden.

Schaut man sich die Blätter etwas genauer an, bemerkt man eine mehlartige Bestäubung. Das sind winzige Härchen, über die die Pflanze überschüssiges Salz ableitet. Die leicht fleischigen Blätter und die langen Wurzeln lassen den Gänsefuß kurze Trockenperioden überstehen.

Alleine erst durch die Bewirtschaftung von Gärten und Feldern konnte sich die Pflanze ausbreiten, sie gilt als Erstbesiedler von nährstoffreichen Böden.

Die Familie der Gänsefußgewächse ist eine sehr artenreiche, die oft schwierig zu unterscheiden ist. Bekannte Vertreter sind vor allem der Spinat, Mangold und Rüben, neuerdings wird der Erdbeer-Spinat wieder populär. Doch in früheren Zeiten wurde auch der weiße Gänsefuß angebaut, in Indien wird er heute noch kultiviert. Ungenießbar ist nur die Stinkende Melde, die, wie der Name schon sagt, einen unangenehmen Geruch nach Fisch hat.

Als Heilpflanze ist der Gänsefuß kaum bekannt, Hildegard von Bingen soll damit Hautkrankheiten und Verdauungsbeschwerden behandelt haben. Er wirkt leicht abführend.

Die Blätter lassen sich als Spinatersatz verwenden, in Russland werden sie ähnlich wie Sauerkraut milchsauer vergoren und so haltbar gemacht. Die Samen des Gänsefußes enthalten mehr Saponine als die Blätter und sollten daher abgekocht und das Kochwasser entfernt werden. Dann kann man sie ähnlich wie Quinoa, die südamerikanische Reismelde, essen.

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