Waldmeister

Mai 10: Waldmeister (Galium odoratum)

erschienen im Main-Echo, © Morgane Bannöhr

Bevor das Laub der Buchen sich zu einem dichten Blätterdach schließt, gibt es auf dem Waldboden eine beachtlich große Anzahl an Kräutern zu finden. Eines davon, das jetzt Hochsaison hat, lässt sich im Garten vor allem an schattigen Plätzen, z.B. unter Hecken, ansiedeln: der Waldmeister. Hat er den passenden Platz gefunden, breitet er sich über unterirdische Ausläufer mühelos aus. Ernten ist bis in die Blütezeit hinein möglich und es ist ratsam, eine Schere zu verwenden, damit man den Bestand für die folgenden Jahre erhalten kann.

Dieses duftende Labkraut enthält als Hauptwirkstoff Cumarin, das erst durch das Welken der Blätter hervortritt. Dieser Stoff ist auch in anderen Pflanzen vorhanden und verantwortlich für den typischen Heuduft. Man sagt diesem Geruch nach, dass er Frohsinn und Herzlichkeit verbreiten soll, das bezeugen verschiedene alte Sitten. Als Teil des Mariae Bettstroh wurde Waldmeister in Kissen gestopft, um Schwangeren die Geburt zu erleichtern und Wöchnerinnen und Babys vor schlechten Einflüssen zu schützen. Weiterhin hält das Maikraut in Kleiderduftsäckchen Motten fern und erfreut unsere Nasen. Und wer könnte sich eine fröhliche Maifeier ohne die berühmte Bowle vorstellen?

In der Volksheilkunde gilt Waldmeister als Wundheil-, Beruhigungs- und Schlafmittel, er hilft als Wickel bei Leberbeschwerden und Migräne. Die moderne Medizin verwendet Präparate mit Cumarin zur Prophylaxe vor Thrombosen, da sie die Gerinnbarkeit des Blutes herabsetzen.

Cumarin kann im Übermaß genossen zu Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit führen, eine Dosierung von ca. 10 Stängeln (entspricht 3 g) pro Liter Flüssigkeit sollte keine Beschwerden hervorrufen. Manchmal liegt der Grund dafür auch eher im Alkoholgehalt der Maibowle, die traditionell mit Waldmeister aromatisiert wird. Die grüne Farbe des Waldmeistersirups ist übrigens verursacht durch Farbstoffe und enthält keine echte Pflanze, sondern nur Aroma. Für eine selbst hergestellte alkohol- und zuckerfreie Variante empfiehlt sich folgendes Rezept: 10 Stängel Waldmeister über Nacht anwelken lassen, morgens in einen Liter Apfelsaft hängen und ca. drei Stunden ziehen lassen. Anschließend nach Belieben mit einem Spritzer Zitronensaft und Mineralwasser auffüllen.

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