Vogelbeere – Eberesche

September 11 – (Sorbus aucuparia)

erschienen im Main-Echo, © Morgane Bannöhr

Wie kleine rote Äpfelchen sehen die Früchte der Vogelbeere aus – so schön sie auch sind, sind sie doch roh ungenießbar. Alleine deshalb kann man sich daran schon nicht vergiften. Sie enthalten Parasorbinsäure, die in rohem Zustand gegessen zu Reizungen im Verdauungstrakt führen kann. Durch Kochen wird dieser Stoff zu Sorbinsäure umgebaut, die der Körper gut aufnehmen kann. Zusätzlicher Effekt ist eine längere Haltbarkeit daraus hergestellter Produkte; Sorbinsäure findet in der Industrie Verwendung als Konservierungsmittel.

Die Früchte der Mährischen Eberesche (Sorbus aucuparia edulis), eine veredelte Variante, sind frei von Parasorbinsäure und dadurch bekömmlicher.

Außerdem sind Gerbstoffe und Vitamin C enthalten. Die Gerbstoffe werden ähnlich wie bei der Schlehe durch Frosteinwirkung abgebaut, das kann bei ausgereiften Früchten auch im Gefrierschrank stattfinden. Vitamin C ist zum großen Teil auch noch nach dem Kochen vorhanden.

In der Volksmedizin gebraucht man Vogelbeeren relativ selten, sie können bei Appetitlosigkeit und verdorbenem Magen, roh als Abführmittel und gekocht als stopfendes Mittel bei Durchfällen eingesetzt werden. Der hohe Vitamin C-Gehalt nutzte früher gegen Mangelerscheinung wie Skorbut.

Vogelbeeren werden auch Ebereschen genannt, das hat nichts mit dem männlichen Schwein zu tun, sondern hat denselben Wortstamm wie z.B. der Aberglaube. So wie dieses Wort einen falschen Glauben bezeichnet, so ähneln die Blätter der Vogelbeere etwas denen der Esche, so dass es eben die „falsche“ Esche ist.

Den Namen Vogelbeere erhielt der Baum, da die Früchte sehr gerne von Vögeln verzehrt werden, wobei die Samen unverdaut wieder ausgeschieden werden und so für die Verbreitung gesorgt wird. Die Wurzeln können tief in den Boden reichen und die Vogelbeere hat ein gutes Ausschlagsvermögen, deshalb nutzt sie sogar zur Bodenbefestigung. Das abfallende Laub zersetzt sich leicht und fördert eine gute Humusbildung.

Die Ansprüche an den Boden sind sehr gering, die Vogelbeere fühlt sich fast überall wohl, gedeiht sowohl an hellen Plätzen als auch im Halbschatten. Sie ist frosthart und windfest. Nicht nur die Früchte sind dekorativ, deshalb wird der Baum gerne im Garten und auch im Landschaftsbau angepflanzt. Positiv ist dabei die große Widerstandskraft gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen.

Verwendung finden Vogelbeeren in Österreich und der Tschechei häufig als Schnaps, eine etwas teurere Delikatesse, da die Ausbeute gering ist. Aufgrund der nahen Verwandschaft zum Speierling werden Vogelbeeren manchmal dem Apfelwein zugesetzt aus geschmacklichen und Haltbarkeits-Gründen. Ungewohnt und doch lecker ist eine Marmelade aus (geforenen) Ebereschen, gemischt mit z.B. Birnen. Diese mildern den herb-säuerlichen Geschmack zu einer ganz besonderen Spezialität.