Spitzwegerich

Mai  – (Plantago lanceolata)

erschienen im Main-Echo, © Morgane Habegger

Unscheinbar versteckt er sich im Gras auf den Wiesen, doch der Spitzwegerich ist häufig anzutreffen. Aus der Ferne betrachtet ist er leicht mit Gras zu verwechseln, doch bei näherem Hinschauen erkennt man auf der Rückseite fünf deutliche Rippen und das Blatt ist breiter als Gras.

Noch breitere Blätter mit bis zu neun Rippen, die flach auf dem Boden liegen, haben seine Geschwister: der breite und der mittlere Wegerich. Sie sind so ausdauernd und widerstandsfähig, dass sie sogar auf viel betretenen Wegen gedeihen. Diese Eigenschaft hat ihnen den Namen Wegerich eingebracht, denn die Silbe „rih“ ist ein althochdeutsches Wort für König, er ist also der „König des Weges“. Die kleinen weißen Samen sind klebrig und bleiben an Tier- und Menschenbeinen und auch Rädern haften und verbreiten sich entlang des Weges. Diesem Effekt ist zu verdanken, dass die ersten Amerika-Siedler ihn dorthin mitnahmen und man anhand der Ausbreitung deren Wege verfolgen konnte. Deshalb nannten ihn die Indianer „Fußstapfen des weißen Mannes“.

Spitzwegerich gilt als eine der ältesten Heilpflanzen und fand bereits vor über 2000 Jahren Erwähnung. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Aucubin, Schleimstoffe, Gerbstoffe und Kieselsäure. Deshalb verwenden wir ihn gerne als Hustensirup, als schnelle Hilfe gegen Insektenstiche und Brennnesselquaddeln und nicht zuletzt auch als Wundheilmittel. Hildegard von Bingen empfahl Flohsamen – die Samen einer südländischen Wegerichart – als wirksames Mittel gegen Verstopfung, sie wirken mild abführend. Die Samen quellen auf, fördern somit eine gute Verdauung und sollen nicht zuletzt auch zu einer Reinigung von Giftstoffen im Darm beitragen.

Seine Hilfe und Heilkraft war früher so fest im Aberglauben verankert, dass man dachte, der Spitzwegerich helfe eher Männern, der Breitwegerich eher Frauen. Letzterer wurde auch gerne zum Orakeln verwendet: Zieht man vorsichtig den Stiel am Blattansatz ab, bleiben einige Fäden hängen, diese sollten einen Hinweis geben auf die Anzahl der Kinder, die man einmal bekommen soll.

Immer schon verwendete man den Wegerich zur Speise, für Salat und als Spinat-Ersatz. Der Geschmack ist sehr mild, so lässt er sich gut mit anderem Gemüse mischen. Nicht zu vergessen sind dabei die schwarzen kleinen Knospen, diese haben einen leichten Geschmack nach Champignons, mit einem leisen bitteren Nachgeschmack.