Schlehe

Oktober 09: Schlehe (Prunus spinosa)

erschienen im Main-Echo, © Morgane Bannöhr

Blau leuchten uns nun die Früchte aus den Hecken entgegen, die schon Ötzi als Wegproviant in seinen Taschen hatte. Vielleicht sollten wir mit dem Sammeln noch etwas warten, bis der Frost kommt – wenn er denn kommt. Als Alternative gibt es zum Glück Gefrierschränke, so dass wir aus den so bitteren und gerbstoffhaltigen Schlehen doch noch leckere Früchte erhalten.

Der Schwarzdorn steht zwischen schwarz und weiß, zwischen gut und böse. Im Winter sieht man nur das schwarze, sparrige Geäst und kann sich nicht vorstellen, dass bald im Frühjahr alles schleierartig übersät ist mit weißen Blüten. Im Mittelalter galt die Schlehe als Zeichen von Unkeuschheit, unbeliebten Mädchen überreichte man ihre Zweige. Auf der anderen Seite ehrte man die Schlehe als Glücksbringer, sie sollte Hexen und Dämonen abwehren und die Bauern hängten Zweige über die Stalltüren, um ihr Vieh zu schützen.

Durch das weitreichende Wurzelwerk ist sie für Hangbefestigungen gut geeignet, aber achten Sie auf die Wurzelausschläge. Schlehdorn nimmt gerne überhand, diese Hecken erforden pflegerische Maßnahmen. Für die Tierwelt ist der Schwarzdorn eine sehr wichtige Pflanze, denn er ist ein gutes Vogelschutzgehölz und bietet nicht nur vielen Schmetterlingsraupen und anderen nützlichen oder sogar geschützten Insekten einen geschützten Lebensraum und Nahrungsquelle.

Für uns Menschen hat die Schlehe auch einen Nutzen: aus den Früchten lässt sich leckere Marmelade herstellen, diese wirkt appetitanregend und kann einen leichten Anreiz geben, morgens nicht mit leerem Magen aus dem Haus zu gehen. Sehr beliebt ist auch der Schlehen-Likör: Dazu zerstoßen Sie eine kleine Handvoll der Schlehenkerne, die ein leichtes Bittermandelaroma liefern, und geben diese mit den Früchten in eine große Flasche. Nach Belieben fügen Sie Korn oder Wodka hinzu und die entsprechende Menge Zucker sowie Gewürze wie Zimt, Nelken, Orangenschale u.ä. und lassen dies reifen bis zur Weihnachtszeit.

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