Nelkenwurz

November 09: Nelkenwurz (Geum urbanum)

erschienen im Main-Echo, © Morgane Bannöhr

Herbst- und Winterzeit bedeutet im Pflanzenreich vor allem Wurzelzeit. Viele Inhaltsstoffe ziehen sich in den Boden zurück, um dort zu überdauern. Von Pflanzen, die es häufig gibt, also unserem Un-Kraut, können wir nun Wurzeln ernten. Das bietet sich besonders an, wenn wir den Garten aufräumen. Nicht alles muß in die Biotonne.

Ein zumeist unbekannter Genuß ist die Nelkenwurz. Häufig wächst sie in Gärten, aber auch an Waldwegen, Mauern und Hecken und zeigt nährstoffreichen Boden an. Sie ist ziemlich unscheinbar, breitet sich aber gerne aus. Jetzt findet man die Blattrosetten mit relativ großen, rundlichen dreiteilig gefiederten Blättern. Zur Blütezeit sind die Blätter am Stiel kleiner, spitz und wechselständig. Die Blüte selbst kann mit der des Hahnenfußes verwechselt werden, aber spätestens nach der Blüte erkennt man an der Nelkenwurz eine rötliche Klettenfrucht. Das beste Unterscheidungsmerkmal ist die Wurzel, denn die Nelkenwurz hält, was ihr Name verspricht. Aus dem enthaltenen Gein entsteht durch Trocknen das nach Gewürznelke duftende Eugenol.

Dieses wird in der Parfümindustrie für würzige Noten benutzt, in der Zahnheilkunde dient es schon lange als Mittel gegen Zahnfleischentzündungen und -schmerzen. Weiterhin verwendet man die Wurzel z.B. in Wein eingelegt bei Verdauungsbeschwerden und als Kräftigungsmittel. Die Heilkraft der Pflanze wurde früher so hoch geschätzt, dass Hildegard von Bingen sie Benediktenwurz nannte.

Der Überlieferung nach sollte Nelkenwurz im Viehfutter die Tiere vor allen Krankheiten schützen und die Milchbildung fördern. Der alte Name „Mannskraftwurzel“ lässt darauf schließen, dass manche erhofften, mit einem Amulett aus Nelkenwurz die Liebe der Frauen besser gewinnen zu können.

Bevor der Gerbstoffgehalt in der Pflanze zu hoch wird, kann man im Frühling die jungen Blätter als Gewürz für Salate und Gemüse verwenden, besser noch ist die Verwendung der Wurzel. Diese aromatisiert nicht nur Gemüsesuppen und Kräuterlimonaden, sondern auch Desserts und Kaffee. Probieren Sie doch mal einen einfachen Punsch: Dazu säubern Sie die Wurzel gut mit einer Bürste, schneiden sie in Stücke und lassen sie zusammen mit unbehandelter Orangenschale und etwas Zimtstange ca. 20 Minuten köcheln.

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