Linde

Juli 11 – (Tilia spec.)

erschienen im Main-Echo, © Morgane Bannöhr

Haben Sie schon mal unter einer blühenden Linde gestanden, den süßen Duft eingeatmet und den fleißigen Bienen bei der Arbeit zugeschaut? Da kann man sich gut vorstellen, warum die Linde ein Symbol für Frieden und Liebe ist. Nicht umsonst war früher immer eine Linde der Mittelpunkt in einem Dorf. Um sie herum spielte sich das ganze gesellschaftliche Leben ab. Dort traf man sich einmal im Jahr zur Ratsversammlung, es wurde Gericht gehalten über kleinere Delikte, im Gegensatz zu Rechtsprechungen unter dem anderen Gerichtsbaum – der Eiche. Vom lateinischen Namen der Linde Tilia ist der Begriff subtil hergeleitet, er bedeutet „unter der Linde“ und bezeichnet ein behutsames Vorgehen mit Feingefühl.Vor allem aber wurde dort getanzt, in einigen wenigen Orten findet man noch Podeste um den Baum herum, die als Tanzfläche dienten.

Von den verschiedenen Arten sind zwei bei uns am verbreitetsten: die Sommerlinde und die Winterlinde, letztere blüht zwei Wochen später und unterscheidet sich etwas in Größe der Blätter und Anzahl der Blüten. Die Form der Blätter ist unsymmetrisch herzförmig. Ein Baum kann bis zu 1000 Jahre alt werden. Das Holz der Linde ist weich und findet am meisten Verwendung in der Bildhauerei und Drechslerei, es wird auch „lignum sanctum“ genannt, da viele Heiligenstatuen daraus geschnitzt wurden. Früher wurde Kohle aus dem Holz für Schießpulver und als Zahnpflegemittel genutzt. Sehr bekannt war auch der Lindenbast, der aus der weichen Innenseite der Rinde hergestellt wird. Dieser Bast wurde für die Obstbaumveredelung verwendet, außerdem noch zur Herstellung von Seilen, Bekleidung und noch vielem mehr. Abgeleitet davon wurde das Wort „Basteln“.

Die Linde als Baum der Liebe und Heimat ist Thema in Volksliedern und Sagen, viele Orte (fast 900!), Straßen und Gaststätten wurden nach ihr benannt.

In der Volksheilkunde nutzen wir die Lindenblüten, die eine schweißtreibende Wirkung haben, sie stärken die Abwehrkräfte des Körpers bei fiebrigen Erkältungskrankheiten. Weiterhin wirken sie schleimlösend und krampfstillend. Feingepulverte Lindenholzkohle ist desinfizierend und kann Giftstoffe und Säure im Magen binden. Ein Stoff in den Blüten, das Farnesol, ist Bestandteil mancher Deodorants, da es antibakteriell wirkt und somit die Geruchsbildung, die durch bestimmte Bakterien beim Abbau des Schweißes hervorgerufen wird, hemmt.

Kulinarisch kann man die ganz jungen Blätter der Linde verwenden, sie sind sehr schmackhaft, werden ab der Blütezeit aber meist zu hart. Die Blüten lassen sich zu einem wohlschmeckenden Sirup oder Gelee verarbeiten und bereichern Desserts wie Obstsalat, Pfannkuchen, Mousse. Grüne Früchte in geschmolzene Schokolade getaucht ergeben eine leckere essbare Dekoration.