Kamille

Juni 11 – (Matricaria chamomilla)

erschienen im Main-Echo, © Morgane Bannöhr

Die meisten Menschen kennen den Geruch der Kamille bereits aus Kindheitstagen, wenn man mit Bauchschmerzen im Bett lag und die Mama einen heilsamen Tee servierte. Nicht umsonst ist sie ein Kraut der Kinder und Mütter, wie schon der lateinische Name Matricaria sagt, denn „Matrix“ heißt übersetzt Gebärmutter. Als Heilpflanze war sie schon immer hoch geschätzt und war in verschiedenen Kulturen dem Sonnengott geweiht und symbolisierte Kraft und Bescheidenheit.

Die Hauptwirkstoffe in der echten Kamille sind ätherisches Öl, Flavonoide, Cumarine und noch andere. Mit Wasserdampfdestillation kann man aus der Kamille ein tiefblaues ätherisches Öl mit dem Bestandteil Chamazulen gewinnen, das entzündungshemmend wirkt. Außerdem hilft sie bei Krämpfen, Magen-Darm-Beschwerden, Wunden, Entzündungen verschiedenster Art und Beschwerden der oberen Atemwege. In homöopathischer Form gilt sie als Heilmittel für das Nervensystem, sprich Schlafstörungen, Gereiztheit und Schmerzempfindlichkeit. Ein Dauergebrauch ist nicht ratsam, da sonst die umgekehrte Wirkung eintreten kann und im Augenbereich sollte sie nicht verwendet werden.

Selbst im Garten entwickelt sie heilende Kräfte. Kamille hat ein ausgeprägtes tiefreichendes Wurzelsystem. Im Umkreis von etwa einem Meter wirkt sie nematodenhemmend und wirkt fördernd auf das Wachstum der Nachbarpflanzen. Zwischen Kohl und Zwiebeln gesät soll sie dort Schädlinge abhalten. Gerne wächst sie auf nährstoffreichen Lehmböden. Früher fand man sie oft in Getreidefeldern, wo sie als Unkraut galt, vor allem die Geruchlose Kamille. Mittlerweile ist sie dort wieder häufiger zu finden, ebenso wie an Straßenrändern und auf Schuttplätzen. Beim Anbau ist sie anspruchslos, wichtig sind ihr Licht und Wärme und ein eher trockener Boden.

Von den verschiedenen Kamille-Arten erkennt man die Echte am angenehmen, charakteristischen Geruch, besonders gut aber am hohlen Blütenboden – dafür am besten mit einem Messer von oben nach unten halbieren. Der Köpfchenboden ist am Anfang flach, wölbt sich dann nach oben und die weißen Blütenblätter neigen sich mit der Zeit immer mehr nach unten. Zwei Kamillearten wurden früher zum Färben benutzt, die gelbe Färberkamille für Textilien und die Römische Kamille für Haare.

Eine andere interessante Art ist noch die Strahlenlose Kamille. Sie wächst gerne auf verdichteten Böden, z.B. auf Feldwegen. Wie im Namen schon enthalten hat sie keine weißen Blütenblätter, sondern nur gelb-grüne Röhrenblütchen. Der Blütenboden ist ebenfalls hohl. Ihr Geruch ist dem der Echten Kamille ganz ähnlich, die Pflanze enthält aber kein Chamazulen und wirkt dadurch weniger entzündungshemmend. Dafür wird ihr eine Wirkung bei Würmern nachgesagt. Ihr englischer Name pineapple weed (Ananaskraut) weist auf den fruchtigen Geruch hin. Wer den Geschmack mag, kann diese Kamillenart auch mal als Würze in ein Fruchtgelee geben.