Haselnuss

Oktober 10 – Haselnuss (Corylus avellana)

erschienen im Main-Echo, © Morgane Bannöhr

Als Pionierpflanze besiedelt die Haselnuss rasch humosen Stein- und Lehmboden. Ihre schnelle Ausbreitung führte dazu, dass sie zu einem Symbol für Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit wurde. Deshalb beschenkte man z.B. eine Braut mit einem Korb voller Nüsse und Hildegard von Bingen empfahl sie gegen Impotenz. „In die Haseln gehen“ konnte dazu führen, dass es im nächsten Jahr zahlreiche uneheliche Kinder gab, weswegen dieses Symbol sich zu einem für Untreue und Wolllust wandelte. So fand manche junge Frau keinen Birkenzweig ihres Liebsten am 1. Mai vor ihrer Tür, sondern Haselruten.

Der Strauch gilt als abwehrende Pflanze und durfte in keiner Hecke und keinem Bauerngarten fehlen. Er sollte Schlangen, Blitze und Erdstrahlen abhalten, noch heute benutzen Wünschelrutengänger Haselstäbe. Ansonsten ist das Holz kaum zu gebrauchen, da es wenig haltbar ist. Am ehesten findet es noch Verwendung für Stöcke, Rankgitter und selbstgeschnitzten Kinderpfeifen. Sehr schön sind die dekorativen Äste der Korkenzieherhasel, die wahrscheinlich aus einer Mutation heraus entstanden ist. Auch sie trägt Nüsse.

Heilkundlich wird der Haselstrauch nicht benutzt, nur die Blütenkätzchen weisen volksheilkundlich eine schweißtreibende Wirkung auf und können mit Holunderblüten gemischt werden. Dafür ist die kulinarische Bedeutung sehr hoch. Am meisten werden die Nüsse der Lambertshasel verwendet, die vor allem in der Türkei und auch in Italien angebaut wird, da sie frostempfindlicher ist. Aber auch unsere wilden Haselnüsse lassen sich verwenden für Schokolade, Kuchen, Weihnachtsbäckerei, zum Panieren, für Likör und Öl. Sie enthalten besonders viele ungesättigte Fettsäuren, was als „gute Fette“ bezeichnet wird.

Für einen weihnachtlichen Likör verwenden Sie am besten frisch geerntete, gehackte Haselnüsse und gießen mit der dreifachen Menge Korn auf. Geben Sie nach Belieben Zimt, Nelken und Vanille hinzu und lassen Sie den Ansatz drei bis vier Wochen in der Sonne stehen. Anschließend abgießen, mit Zuckerwasser bis zum gewünschten Geschmack verdünnen und noch mal so lange ruhen lassen.

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