Beifuss

August 11 – (Artemisia vulgaris)

erschienen im Main-Echo, © Morgane Bannöhr

„Du hast Macht gegen drei und gegen dreißig, Du hast Macht gegen Gift und Ansteckung, Du hast Macht gegen das Übel, das über das Land hinfährt“. Dieses Zitat aus einem angelsächsischen Kräutersegen aus dem 11. Jahrhundert beweist die Ehrfurcht, die dem Beifuß früher entgegegebracht wurde. Er wurde sogar als „Mutter aller Pflanzen“ verehrt, nicht umsonst ist der lateinische Name Artemisia abgeleitet von der griechischen Göttin Artemis, der Hüterin der Frauen und Kinder. Früher band man sich zur Mitsommernacht sogenannte Sonnwendgürtel aus Beifuß um den Bauch, die man am Ende des Festes ins Feuer warf, um alles Schlechte loszuwerden. Genauso ließ sich mit ihm räuchern, um sich selbst, sein Haus oder die Tiere im Stall vor Krankheit oder Verzauberung zu schützen. In die Werzberre, bzw. den Kräuterbuschen, der zu Maria Himmelfahrt geweiht wird, gehört er unbedingt hinein.

Aus der chinesischen Medizin stammt die Anwendung des Moxens, bei der durch das Abbrennen von Beifußkraut an Meridianpunkten unter anderem auch das Drehen eines Ungeborenen aus der Beckenendlage erreicht werden kann. Die anregende Wirkung des Beifußkrautes erleichtert insgesamt die Geburt, fördert die Nachgeburt, kann Menstruationsschmerzen und Krämpfe beheben. Auf keinen Fall darf er aber zu Beginn der Schwangerschaft verwendet werden, da sonst eine Frühgeburt ausgelöst werden kann.

Nach langem Stehen oder ausgiebigem Wandern tut ein Beifuß-Bad oder eine Einreibung mit Beifuß-Öl den Beinen und Füßen gut. Seine wärmende Eigenschaft hilft auch bei kalten Füßen. Vielleicht stammt daher sein Name? Es könnte aber auch mit dem mittelhochdeutschen „bibuoz“ zu tun haben, das „stoßen“ bedeutet. Die zerstoßenen Knospen sind eine bekannte Beigabe zum Gänsebraten. Die enthaltenen Bitterstoffe regen den Appetit und die Magensaftsekretion an, fördern so die Verdauung von fetten Speisen und helfen bei Blähungen. Doch nicht nur zur Gans, sondern auch zu vielen anderen Gerichten aus Kartoffeln, Bohnen, Kohl, Fisch, Geflügel passt der würzige Geschmack des Beifußes.

Die relativ unscheinbare Pflanze kann bis zu zwei Meter groß werden und wächst gerne auf nährstoffreichen Böden, vor allem an Wegrändern, auf Schuttplätzen und Waldlichtungen. In der Gattung Artemisia gibt es viele Verwandte wie z.B. den Wermut, der noch bitterer ist oder die Beifuß-Ambrosie, die als starker Allergie-Auslöser verschrien ist. Zu unterscheiden von ihnen ist der Beifuß ganz einfach: die Oberseite der Blätter ist grün, die Unterseite weiß-filzig.