Altes Wissen in neuer Form: Die Kräuterhexen und Medizinmänner von heute

Altes Wissen in neuer Form:

Die Kräuterhexen und Medizinmänner von heute

Ob Kräuterhexe, Schamane, Medizinmann, Druide, weise Frau oder Hebamme: Eines hatten diese mystisch klingenden „Berufstitel“ alle gemeinsam: Sie bedienten sich des Wissens um die nutzbringende Anwendung von Kräutern. Die Methoden, mit denen sie so manches Kraut an den Mann und die Frau gebracht haben, kommen uns heute seltsam vor – besonders, wenn Zaubersprüche und Beschwörungen mit im Spiel waren. Gerade diese Formeln und Zeremonien waren es vermutlich, die viel Zweifler auf den Plan gerufen haben. Heute finden immer mehr Menschen zurück zu diesem uralten Wissen.

Die Natur zunutze machen und von Tieren lernen

Die ersten schriftlichen Nachweise über die Nutzung von Kräutern finden sich in einem chinesischen Heilpflanzenbuch aus dem Jahre 3700 (!) vor Chr. Ein großer Teil der traditionellen chinesischen Medizin beruht auf Jahrtausende alten Kenntnissen von hilfreichen Pflanzen. Den Menschen blieb auch – in Ermangelung moderner Medizin – gar nichts anderes übrig, als die Kräfte der Natur zu nutzen. Dabei half ihnen u. A. die Beobachtung von Tieren, die auch heute noch bei Beschwerden instinktiv das passende Kraut fressen. So kauen Gorillas bei einer offenen Wunde bestimmte Pflanzen und geben den Brei darauf. Und Stachelschweine in Tansania fressen eine bestimmte Art von Wurzeln, wenn sie Durchfall haben.

Naturvölker betrachten Erde, Pflanzen und Steine als lebende Materie

Durch Aufzeichnungen und archäologische Funde wissen wir heute, dass Heilpflanzen in den alten Hochkulturen überall auf der Welt eine wichtige Rolle gespielt haben. Auch bei den Inkas, den Ägyptern, den Griechen und den Römern gehörte die Verwendung von Kräutern zum Alltag: Speisen wurden mit ihnen verfeinert, Kosmetika hergestellt und Mensch und Tier damit geheilt. Erforschungen der wenigen noch existierenden Naturvölker bestätigen diese Vermutung.

(Un-)Kraut vergeht nicht: Die Kräuterpädagogen®

Die Ausbeutung der Ressourcen, Überbevölkerung, Umweltbewusstsein, all dies sind Gründe für immer mehr Menschen, sich auf ihren Ursprung als Teil der „Naturkette“ zu besinnen. So gibt es heute u.A. die sogenannten Kräuterpädagogen, die das althergebrachte Wissen über Wildpflanzen und deren Verwendung mit Erkenntnissen unserer heutigen Zeit verbinden. Was heutzutage meist als „Unkraut“ verhasst ist, spielt hier vor allem in kulinarischer, aber auch in volksheilkundlicher, ökologischer und künstlerischer Sicht eine wichtige Rolle. Ziel ist es, Menschen für die Zusammenhänge in der Pflanzenwelt und die Vielfalt unserer Natur- und Kulturlandschaft zu begeistern. In Kursen, wie sie z.B. von der „Kräuter-Drey“ angeboten werden, lernen Teilnehmer durch achtsames Kennenlernen der einzelnen Pflanzen und der ökologischen Zusammenhänge die Natur als schützenswerten Lebensraum wahrzunehmen.

Wild und Wildkräuter – Natur erleben, Natur erhalten

Mit der schonenden Entnahme von Pflanzen erhalten wir die für uns Menschen wichtige Fruchtbarkeit der Flächen und sichern damit unsere Lebensgrundlage. Jäger sorgen dafür, dass die Anzahl des Wildes dem Lebensraum angepasst bleibt. Das Wild wiederum selbst ist angewiesen auf eine nicht intensiv bewirtschaftete Landschaft. „Wildfleisch ist im Grunde genommen „veredeltes“ Wildkraut“, erklärt die Waldaschafferin Morgane Bannöhr, eine der „Kräuter-Drey“-Damen. „Beides, Wild und Wildkraut, ist die ursprünglichste Form unserer Ernährung, und sie stehen für kurze Transportwege, Frische und Qualität. Diese zu vereinen hat einen besonderen kulinarischen Reiz“, erklärt die staatlich zertifizierte Kräuterpädagogin. www.die-kraeuter-drey.de.

Quelle: Von Snezana Linten, Noblesse Aschaffenburg 4/09

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